Was ist eigentlich ...

Umsonst - Kampagne
 
Texte über die Kampagne:
Bei den Umsonst-Kampagnen geht es darum, "Freiräume und gesellschaftlichen Reichtum Schritt für Schritt zurück(zu)gewinnen" (Hamburg Umsonst) - durch (zunächst) "symbolische Aneignungen, die deutlich machen, dass wir nicht mehr warten wollen." (Dresden Umsonst)
Solche Aneignungen finden z.B. in der Straßenbahn, im Schwimmbad, in der Mensa, im Kino, im Kaufhaus, ... statt - überall dort, wo die aktuellen Einsparungen und Verteuerungen die Lebensqualität vieler Menschen mindern oder gar ihre Existenz bedrohen.
Ob man sich die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder Kino- und Theaterbesuche wegen Preiserhöhungen nicht mehr leisten kann, ob soziale und kulturelle Einrichtungen vor dem finanziellen Aus stehen oder das Angebot der Bibliotheken immer schlechter wird, ob man erst nach wochenlangen Schmerzen zum Arzt geht, oder ob man nicht einmal mehr die Miete oder das Essen bezahlen kann - der momentane Sozialabbau trifft uns alle, immer öfter in unseren grundlegendsten Bedürfnissen.
Doch bestimmte menschliche Bedürfnisse gehören zum Leben dazu und müssen daher für jeden Menschen erfüllbar sein.

Darum sollten wir - alle Betroffenen gemeinsam - genau dort, wo auf Kosten unserer Lebensqualität gekürzt oder verteuert wird und uns die Auswirkungen unmittelbar treffen, Widerstand leisten und zeigen, dass wir nicht länger bereit sind, die Angriffe auf unsere Lebensgrundlagen hinzunehmen:
"Wir wollen das schöne Leben und wir wollen es jetzt!"
Dabei gilt es allerdings, nicht bei den konkreten Aneignungen oder bei der realpolitischen Forderung nach 'mehr Geld für Soziales, Bildung und Kultur' stehen zu bleiben, sondern öffentlich die allgegenwärtige 'Verzicht-für-den-Standort'-Ideologie anzugreifen, denn:

Unser Problem ist nicht eine falsche (Um-)Verteilung des Geldes oder das (durch Investitionshemmnisse bedingt) zu geringe Wirtschaftswachstum - deswegen sollen auch keine Vorschläge gemacht werden, wo und wie 'am sozialverträglichsten' gespart oder kassiert werden sollte oder wie der Standort voran gebracht werden kann.
Unser Problem ist die derzeitige Gesellschaftsform, in der nicht die Bedürfnisse von uns Menschen im Mittelpunkt stehen, sondern der Selbstzweck der Kapitalakkumulation, sowie das daraus resultierende Kosten-Nutzen-Prinzip, dem immer mehr Lebensbereiche unterworfen werden.
Die "Leipzig Umsonst!"-Kampagne soll dagegen - auf dem Wege öffentlichkeitswirksamer, symbolischer Aneignungen, welche aus konkreten Bedürfnissen der Beteiligten hervorgehen - die Forderung, das Aufbegehren nach einem gesellschaftlichen Paradigmenwechsel in die Öffentlichkeit tragen und damit eine gesamtgesellschaftliche Diskussion über diese Problematik anstoßen.
------------------------------------------------------------
(...)Aus einer Arbeitsgruppe im Rahmen einer Kunstkampagne entstanden, gibt es Dresden Umsonst seit August 2002. Die Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, den kommunalen Sozialabbau zu untersuchen und Gegenstrategien zu entwickeln. »Uns geht es um eine Absage an die Sparpolitik und die Sachzwanglogik«, erläutert Pietscher. »Es gibt Bedürfnisse, die für jede und jeden zum Leben dazu gehören und die nicht zur Disposition stehen.« Dresden Umsonst setzt vor allem auf künstlerisch-kreative Politik- und Ausdrucksformen, die nach Ansicht Pietschers »mit dem künstlerischem Moment der Irritation einfach politisch mehr vermitteln«.
(…)
Aber nicht nur in Dresden und Berlin floriert die tägliche Aneignung. Umsonst-Gruppen gibt es inzwischen auch in Köln, Freiburg und Hamburg. »Wir fanden es spannend, mit diesem Umsonst-Label zu arbeiten, um in die sozialen Kämpfe intervenieren zu können«, sagt Arne Deef, der bei Hamburg Umsonst dabei ist. »Zudem orientieren wir uns an der spanischen Gruppe Yo Mango – frei übersetzt: ich klaue –, die das Stehlen als schick propagiert und seit Jahren mit öffentlichen Klauaktionen auf sich aufmerksam macht.« Somit solle die dauernde Aneignung der Subversion durch die Werbung unterlaufen und stattdessen eine eigene Marke entwickelt werden, sagt Deef. In diesem Sinne lud Hamburg Umsonst im vergangenen Oktober zum kostenlosen Kinobesuch, der durch ein martialisches Polizeiaufgebot beendet wurde und neun Ermittlungsverfahren nach sich zog."

-----------------------------------------------------------
Text zur Theorie:
Das Leben kostet nichts

Mit dem `Gratisleben’ knüpfen wir an einen Begriff an,
der hauptsächlich in Frankreich gebräuchlich ist und
dort auch einiges an organisierter Praxis hervorgebracht
hat. Die `Vision’ vom `Gratisleben’ hat überall im
Alltag ihre Praxis, mehr oder weniger organisiert. Die
Praxis drückt sich beispielsweise durch das Klauen am
Arbeitsplatz oder im Supermarkt oder beim fahrkartenlosen
Gebrauch öffentlicher Transportmittel aus, aber
auch politisch organisiert durch das Besetzen von
Häusern, Kampagnen zum kostenlosen Benutzen von
Verkehrsmitteln usw. In den 70ern und 80ern gab es auch
in der BRD (West-Deutschland)einige gute Ansätze,
die das Gratisleben implizit praktiziert haben (v.a. die
Autonome Bewegung ist hier zu nennen). Die neue Qualität
des `Gratisleben’ aus Frankreich besteht darin,
dass dort das Konzept auf breiter gesellschaftlicher
Basis politisch vertreten wird und sich unter dem Begriff
gratuité eine vielfältige Praxis entwickelt hat.

Theoretische Überlegungen:
Durch die Aneignung/ Enteignung gesellschaftlicher
Werte und Güter duch die Gratis-Lebenden findet die
praktische Infragestellung des kapitalistischen Prinzips
von Markt, Besitz und Eigentum statt. Das Konzept des
‘Gratislebens’ ist eine antikapitalistische und sozialrevolutionäre Praxis der Aneignung
gesellschaftlicher Reichtümer unter den bestehenden
herrschenden Verhältnissen.
Die bestehenden Eigentumsverhältnisse werden
negiert. Als solidarische Praxis mit politischer Aussage
ist das Konzept die Vorwegnahme einer herrschaftsfreien
Gesellschaft. Das, was als individuelles Verhalten schon verbreitet ist (Klauen, `Schwarzfahren’, Klauen im Betrieb etc.) kann in eine kollektive gesellschaftliche
Praxis transformiert werden.

Mögliche Aktionsformen:
`Bezahlt-wird-nicht-Aktionen’ in Supermärkten und
öffentlichen Verkehrs-mitteln, `Gratis’-Kommunikationsguerilla- Aktionen, Besetzung von Wohnraum,
Plünderungen.

Perspektiven: Potentiell die gesellschaftliche Selbstorganisierung, die die Vergesellschaftung
aller Werte, Güter und Reichtümer zum Ziel
hat, das bedeutet kollektive Strukturen zur Revolutionierung des Alltags. Aneignung
(soziale Revolution) wird gegen kapitalistisches
Profitprinzip und gegen den Schutz des Privateigentums
gesetzt. Möglichkeiten der Praxis existieren im lokalen
(Stadtviertel, Betriebe), bundesweiten (Verkehrsmittel,
Geschäfte, Betriebe), europaweiten (vernetzte Gratiszüge
gegen die EU) und im internationalen Rahmen (durch
symbolische Nord-Süd-Umverteilungsaktionen).

Grenzen: Durch die Ablehnung der Anerkennung von Privateigentum finden v.a. organisierte
Aktionen potentiell auf hohem Konfrontationsniveau
statt, da das Privateigentum selbstverständlich
durch eine Vielzahl an Gesetzen geschützt ist und von
einem breitem Konsens in der Öffentlichkeit getragen
wird. D.h. das Konzept läuft Gefahr ziemlich schnell kriminalisiert zu werden. Es richtet sich weiter objektiv
gegen alle diejenigen, deren Arbeitsplatz von den enteigneten Objekten abhängig ist und für die die kapitalistische Produktionsweise (noch) Existenzgrundlage ist.
Die internationalistischen Perspektiven des Konzeptes
sind vorerst eher symbolischer als konkreter Art.
Einheit: Einheit ist auf antikapitalistischer
Basis möglich, mit (Haus-)Frauen, ImmigrantInnen, Rentner-
Innen, Arbeitslosen, eingeschränkt bei ArbeitsplatzbesitzerInnen, deren Existenzgrundlage
durch den Angriff auf das kapitalistische Prinzip erstmal infragegestellt wird. Das Erreichen von Einheit auf internationalistischer, anti-imperialistischer
Basis ist schwierig, dafür ist die kontinuierliche
Einbeziehung eines internationalen `Gratislebens’ erforderlich und die ständige Auseinandersetzung mit den
horizontalen Machtverhältnissen im Nord-Süd-Verhältnis.
Basisorientierung: Das `Gratisleben’-Konzept setzt
auf Selbstorganisierung und Revolutionierung des Alltags.
Soziale Revolutionierung durch Infragestellung
des kapitalistischen Status Quo und Emanzipation
durch Selbstorganisation. Selbstorganisierung schließt
Funktionärstum und Avantgardismus aus. Somit ist das
Konzept anti-institutionell und kann von linken Sekten,
Parteien, Institutionen und vom Staat nicht integriert
und funktionalisiert werden. Es hat die autonome Organisierung der Kämpfe zur Voraussetzung.

-----------------------------------------------------------
Selbstdarstellungen von Gruppen:

Dresden Umsonst:
Im Sommer täglich ins Freibad? Niemals den neusten Film im Kino verpassen? Mit den Kindern ins TJG? Sonntags immer mal wieder ins Museum? Mit Bus und Bahn zur Arbeit oder zur Schule? Einen sicheren Kita-Platz für alle? Geht auch alles, kostet bloß was. So viel, dass viele es sich nicht mehr leisten können. Und damit kostet es zuviel, für zu viele.

Wieso sich nicht amüsieren können, wenn man es will? Wieso marode Schulen mit zu großen Klassen? Wieso nicht einkaufen können, wo man will und was man will?* Geht alles gerade nicht, das gute Leben soll erst später kommen. Wir wollen aber nicht mehr warten: warten darauf, dass der Aufschwung kommt oder die Autobahn oder dass der Wiener Platz bald fertig ist. Für uns gehört mehr zum Leben als ein Dach über dem Kopf und täglich was zu essen (obwohl viele das noch nicht mal haben). Und im Herbst können wir uns während der Haushaltsdebatte anhören, was wieder teurer wird oder ganz wegfällt.

Was aber, wenn das schöne Leben gar nicht mehr kommt? Wenn wir umsonst verzichtet haben: auf Ansprüche, die uns zustehen, auf Bedürfnisse, für die wir uns nicht schämen müssen? Oder für wen ist eine Stadt da, wenn nicht für diejenigen, die dort wohnen?

DRESDEN.UMSONST macht keine Vorschläge, wo gespart werden kann und wo nicht.

DRESDEN.UMSONST widersetzt sich dem Ausspielen von sozialen gegen kulturelle Einrichtungen, von Obdachlosen gegen Flüchtlinge. Für uns gibt es keine Unterscheidung zwischen erwerbstätig oder erwerbslos, mit deutschem Pass oder ohne, Frau oder Mann, alt oder jung: DRESDEN.UMSONST will aufzeigen, dass bestimmte menschliche Bedürfnisse zum Leben dazugehören und daher für jede/n erfüllbar sein müssen. Ein Entweder – Oder gibt es für uns nicht. Wieso sollten Dinge nicht anders möglich sein als sie jetzt sind?


WIR SeHEN UNS
In den nächsten Wochen werden an verschiedenen Stellen der Stadt Aktionen stattfinden; symbolische Aneignungen, die deutlich machen, dass wir nicht mehr warten wollen. Sie sollen aber auch aufzeigen, dass es Zeit ist, sich zu bewegen. DRESDEN.UMSONST enthält auch die Aufforderung an alle, sich zu beteiligen, selber aktiv zu werden.


Mit unseren Aktionen wollen wir eine Gegenposition aufmachen zu einer Sicht, die die Stadt hauptsächlich als Unternehmer und Wirtschaftsförderer wahrnimmt, die in Konkurrenz zu anderen Städten steht und sämtliche Angebote auch im kulturellen und sozialen Bereich einer kühlen Kosten-Nutzen-Analyse unterwirft. Wir wollen verhindern, dass im Rahmen der alljährlichen Haushaltskürzungen die Betroffenen gegeneinander ausgespielt werden und setzen uns stattdessen für einen solidarischen Umgang miteinander ein.

Die ständige Wiederholung des falschen Sachzwangarguments („Die Kassen sind leer“) schreckt uns nicht ab, wieder soziale und kulturelle Bedürfnisse zu artikulieren, die zum Leben dazugehören und deshalb nicht zur Disposition gestellt werden können. Auch wenn wir soziales und kulturelles Eigenengagement für richtig und wichtig halten, kann dieses nicht als Ersatz für kommunale Leistungen fungieren oder sogar als Argument für städtische Kürzungen missbraucht werden.

Unsere Aktionen werden vielfältig, bunt und überraschend sein.

Berlin umsonst:

In Berlin leben heißt ständige Kontrollen in der Ubahn. In Berlin leben heißt, oft nicht ins Museum/Kino/Theater/Konzert gehen können, weil das leider nicht ganz billig ist. In Berlin leben heißt schlecht bezahlte oder gar keine Jobs, heißt Schließung sozialer Einrichtungen, heißt eine Kugel Eis jedes Jahr 10 Pfennig/Cent teurer. In Berlin leben heißt wenig Platz zum Entspannen; dafür nahezu unbezahlbare Schwimmbadpreise, privatisierte statt öffentlicher und frei zugängiger Plätze und Flächen, Prestigeprojekte à la Potsdamer Platz (oder neu: media spree) und satte Fördergelder für die Privatwirtschaft. In Berlin leben heißt KiTa- Gebühren rauf und Schluss mit Lehrmittelfreiheit und sozialem Wohnungsbau.

... das wird teuer?!

Der rotrote Senat sagt: Wir müssen sparen! Schluss mit diesem, Schluss mit jenem!

Wir sagen: Schluss mit Schluss!

Berlin umsonst!

Anstatt zu bitten und zu hoffen, dass bei den anderen, nicht bei uns gespart werden möge; anstatt die Geschichte von den leeren Kassen so lange anzuhören, bis man sich selbst schon für den Berliner Schuldenberg verantwortlich fühlt; anstatt uns auf "in 30 Jahren" vertrösten zu lassen, wenn vielleicht mal wieder Geld in den Kassen ist, behaupten wir: Es ist nicht unsere Schuld!

Weder haben wir die Bankgesellschaft in die Pleite geführt, noch haben wir danach die Schulden übernommen. Wir waren es auch nicht, die den Potsdamer Platz fast für umsonst verscherbelt haben und die jetzt unbedingt einen teuren Großflughafen Schönefeld wollen. Und, Entschuldigung, vielleicht können wir uns ja nur nicht mehr richtig erinnern: Aber hatten wir diese Idee, den Unternehmen, die einen Arbeitslosen einstellen, mal so mir nicht dir nichts bis zu 100.000 Euro zu schenken? – Ach nee: das war ja Peter Hartz!

Wenn also die Entscheidungen sowieso ohne uns getroffen werden, na dann treffen wir jetzt auch mal ein paar Entscheidungen:

Schwimmbad kostenlos! Kino auch! Ubahn sowieso! Und was gibt es nicht noch alles für schöne Sachen, die viel zu viel kosten und gut und gerne auch umsonst sein könnten! Wohnen, Gesundheit, Bildung...

Es ist nicht unsere Schuld, dass wir jetzt hier leben und nicht in 30 Jahren. Oder vor 30 Jahren. Also her mit dem schönen Leben! Schluss mit Schluss!! Leben zum Nulltarif! Berlin umsonst!!!
------------------------------------------------------------
Alles für alle und Berlin umsonst!

Der alten Leier von leeren Kassen, vermeintlichen Sachzwängen und leider alternativlosen „notwendigen Reformen zum Umbau des Sozialstaates“ entgeht man nirgends, erst recht nicht in Berlin. Massiven Protest und breit angelegten Widerstand gegen die vielfältigen Zumutungen und Unverschämtheiten gibt es bis jetzt kaum. Der rot-rote Senat verkauft seinen „alternativlosen“ sozialen und kulturellen Kahlschlag in der Stadt mittlerweile ohne jegliche sozialdemokratische Rhetorik und wie es scheint trotzdem nicht ohne Erfolg.

Eine linke Antwort auf die Sparpolitik? Berlin umsonst!
Um mehr Dynamik in die sozialen Proteste in Berlin zu bringen haben verschiedene linke Gruppen und Initiativen die Kampagne „Berlin umsonst!“ ins Leben gerufen, die am ersten Mai Premiere hatte.
Berlin umsonst! will nicht in politikberaterischer Absicht „realistische“ und „machbare“ Vorschläge an den rot-roten Senat unterbreiten. Es geht darum daß die soziale Frage in dieser Stadt von denen zur Sprache gebracht wird, die von Sozialkürzungen, Verdrängungspolitik und steigenden Lebenshaltungskosten betroffen sind. In den meisten Fällen sind diese Gruppen im gesellschaftlichen Diskurs nicht oder zu wenig repräsentiert und wir behaupten: nicht zufällig! Das Feld an „akzeptierten“ Verhaltensweisen, Meinungen und Forderungen in der herrschenden Wahrnehmung ist begrenzt und basiert auf bewußtem Ausschluß.

Jenseits der Realpolitik!
Um die Rationalität dieses alltäglichen Irrsinns aufzubrechen ist es notwendig sich aus dem Rahmen des staatlich vorgegebenen Politikfeldes zu lösen. So wichtig Lohnkämpfe, Kämpfe um Mitbestimmung und für den Erhalt sozialer Rechte sind, sie finden in einem engen herrschaftsförmig abgesteckten Rahmen statt und sind damit in Zeiten neoliberaler Sachzwanglogik zu defensiven Abwehrkämpfen verdammt.

Schluß mit Schluß!
Unter den derzeitigen Bedingungen braucht es keine irreale Realpolitik, sondern ein klares und bewußtes „Nein“, „Ya Basta – es reicht“. Nicht Schluß mit diesem, Schluß mit jenem sondern Schluß mit Schluß! Wir leben in einem der reichsten Länder der Erde, an gesellschaftlichem Reichtum fehlt es nicht. Wenn also Gesundheits-, Bildungs- oder Rentensystem nicht mehr zu bezahlen sind muß darüber nachgedacht werden wie sie zu reformieren sind, damit sie allen Menschen kostenlos zur Verfügung stehen, nicht wie und wo der Staat noch einsparen, kürzen oder privatisieren kann. Diese Form von Reformen sind nicht ohne grundsätzliche gesellschaftliche Veränderungen möglich, denn für ein Leben zum Nulltarif muß sich die Art und Weise wie Wirtschaft und Politik in dieser Gesellschaft organisiert sind an den Bedürfnissen der Menschen orientieren und nicht umgekehrt. „Alles für alle“, die Forderung nach unbegrenztem Zugang läßt sich nicht gegenfinanzieren und wird in keinem Haushalt als Sonderposten auftauchen.

Die utopische Forderung nach einem kostenlosen urbanen Leben in der Großstadt bietet deshalb nicht nur Anknüpfungspunkte in den stadtspezifischen Diskussionen um Verdrängungspolitik, den Abbau sozialer Rechte und Errungenschaften und steigende Lebenshaltungskosten, sondern eröffnet das Feld für Diskussionen über ein Leben nach dem Kapitalismus.

Machts mit, machts nach, machts besser!
Berlin umsonst! bietet vielfältige Anknüpfungspunkte und Möglichkeiten, die bei weitem noch nicht ausgeschöpft werden. Der Erfolg der Kampagne und damit auch die Weiterentwicklung von sozialem Widerstand in Berlin ist davon abhängig, wie breit die Kampagne aufgegriffen, rezipiert und vorangetrieben wird.
Die dumpfe Wut über Einsparungen und die individuelle Ohnmacht lassen sich nur durch solidarisches kollektives Handeln und kontinuierlichen offensiven Widerstand überwinden, der im städtischen Alltag sichtbar gemacht werden muß. Überall dort wo Menschen vom kulturellen und sozialen Leben ausgegrenzt werden muß gelten: Wir wollen alles und zwar umsonst! Die Zeit ist längst reif dafür. Es hat keinen Sinn zu warten bis es besser wird...
-----------------------------------------------------------
Ausgangspunkt war der Versuch, in Zeiten, in denen der Verzicht zu höchsten Weihen kommt, offensiv und selbstbewusst zu sagen: Es reicht! Nicht mehr "Schluss mit diesem, Schluss mit jenem", sondern Schluss mit Schluss und her mit dem schönen Leben! Es geht dabei darum, den Anspruch auf ein schönes Leben hier und jetzt gegen die Zumutungen des kapitalistischen Alltags zu stellen, die uns in diesem Fall in Gestalt der Berliner Sparpolitik (1) zu Leibe rücken. Kurz: Es geht um Aneignung.

Vor diesem Hintergrund leistet die Kampagne zweierlei: Erstens bricht sie in offensiver Weise mit dem alten Lied vom Sparen, mit der angeblichen Notwendigkeit einer Reformpolitik, die eine weitere Absenkung des Lebensstandards bedeutet. Die Forderung Berlin umsonst! verweigert dieser als Sachzwang getarnten Position den Gehorsam. Sie schert sich nicht um die Grenzen dessen, was gemeinhin als vernünftigerweise noch diskutierbar gilt, und schon gar nicht um eine behauptete gesamtgesellschaftliche Verantwortung dafür, dass der kriselnde kapitalistische Kahn wieder flottgemacht wird. Sie bricht mit einem Essential kapitalistischer Verkehrsformen: mit dem schnöden Umstand, dass die notwendigen Produkte des täglichen (Über-)Lebens nur gegen Geld zu haben sind.

Her mit dem schönen Leben
Zweitens knüpfen die Umsonst-Aktionen an Erfahrungen des täglichen Lebens an und machen Momente sichtbar, an denen die eigenen Bedürfnisse an Grenzen der gesellschaftlichen Spielregeln stoßen. Beispiel: Ich müsste/würde/wollte gern von A nach B, aber scheiße: die Fahrkarte, die ich dafür brauche, kostet viel zu viel. Die an diese Überlegung (möglicherweise) anschließende Schwarzfahrt ist normalerweise eine individuelle Entscheidung und wird individuell - vielleicht sogar mit schlechtem Gewissen - unternommen. Dadurch, dass wir sie öffentlich und gemeinsam praktizieren, dass wir darüber sprechen, sie für legitim erklären und sie Widerstand gegen die Verschlechterung der Lebensverhältnisse nennen, ändert sich die Sache.

Die herrschenden Vorstellungen von der Welt werden in den täglichen Handlungen der Menschen hergestellt, aber dieser Prozess läuft nicht konfliktfrei. Zwar bin ich gezwungen, ein Produkt zu bezahlen, um es zu bekommen, aber es gibt Möglichkeiten, diesen Zwang zu umgehen: Anstatt eine Fahrkarte zu lösen, kann ich schwarzfahren; anstatt ein Produkt zu kaufen, kann ich es klauen etc. Dabei geht es uns in erster Linie nicht darum, individuelle Konsumwünsche zu befriedigen, sondern um die Schaffung von Räumen, in denen über die Legitimität kapitalistischer Verkehrsformen und über Vorstellungen von einem schönen Leben gesprochen werden kann. Nicht indem die AdressatInnen angerufen werden, sie mögen die Richtigkeit unserer Kapitalismusanalyse bitte einsehen, sondern indem konkrete und alltägliche Erfahrungen gesellschaftlicher Zwänge zum Ausgangspunkt genommen und praktisch in Frage gestellt werden. Damit ist nicht nur die Debatte um die herrschende Form von Produktion, Aneignung und Verteilung eröffnet, sondern auch darüber, wie es anders sein könnte. (...)
---------------------------------------------------------

Beispiele von Aktionen der Kampagne:

Dresden:
Heute, am Sonntag, den 14.09.2003, sind 30 Aktivistinnen und Aktivisten der Kampagne DRESDEN.UMSONST im Arnhold-Bad schwimmen gegangen. UMSONST und ohne zu bezahlen. Mit Luftballons und Wasserbällen wurden das Schwimmbecken und die Wasserrutsche bei strahlendem Sonnenschein für eine viertel Stunde symbolisch „erobert“. Ein gut sichtbar aufgehängtes Transparent verkündete: Heute FREIBADen! Die anwesenden Badegäste waren begeistert – Alex (8) „ Bekomme ich jetzt mein Geld zurück?!“

Mit dieser Aktion wollen wir gegen die zunehmende Verteuerung des Zugangs zu sozialen und kulturellen Einrichtungen in dieser Stadt protestieren. Wir wollen zeigen, dass bestimmte Bedürfnisse zum Leben dazugehören und ihre Erfüllung daher für jede/n bezahlbar sein muss. Wir finden uns nicht mehr damit ab, für Kino, Schwimmbad, Bibliothek, Bus, Kita, Sportvereine etc. immer mehr zu bezahlen oder draußen bleiben zu müssen. Oder wie Karen Pietscher von der Initiative betont: „Wir wollen das schöne Leben und wir wollen es jetzt“.

Das Arnhold-Bad hat mittlerweile Preise von 2,40 bis 4,50 € für 2 Stunden und von 3,50 bis 7 € für 4 Stunden. Das ist zuviel. Brustschwimmen für alle und zwar UMSONST.

-----------------------------------------------------------
DRESDEN.UMSONST fährt Straßenbahn - umsonst
Heute, am Donnerstag, den 09.10.2003, sind gegen 17:00 Uhr ca. 40 AktivistInnen von DRESDEN.UMSONST Straßenbahn gefahren. Natürlich umsonst und ohne zu bezahlen. Die Aktion begann am Postplatz, dem Verkehrsknoten der Stadt und verzweigte sich von dort in alle Himmelsrichtungen. Es wurden Luftballons und Flyer verteilt sowie ein Radiojingle abgespielt. Angesprochen wurden damit die Bewohner der Stadt Dresden, die für eine solidarische Stadtpolitik einstehen, sich den derzeitigen Ausgrenzungstendenzen verweigern wollen und den alljährlichen Stuhltanz der Institutionen bei der Mittelvergabe leid sind!
Mit dieser Aktion wollen wir gegen die zunehmende Verteuerung des Zugangs zu sozialen und kulturellen Einrichtungen in dieser Stadt protestieren. Wir wollen zeigen, dass bestimmte Bedürfnisse zum Leben dazugehören und ihre Erfüllung daher für jede/n bezahlbar sein muss. Wir finden uns nicht mehr damit ab, für Kino, Schwimmbad, Bibliothek, Bus und Bahn, Kita, Sportvereine etc. immer mehr zu bezahlen oder draußen bleiben zu müssen. Oder wie Karen Pietscher von der Initiative betont: „Wir wollen das schöne Leben und wir wollen es jetzt“.

Eine Einzelfahrt kostet 1 – 6 € und eine einfache Tagesfahrkarte 4 - 8,50 €. Die Jahreskarte für den Verbundraum kriegt man für 1028 €. Dazu wird uns erklärt: Umsteigen ist nicht zugelassen (bei Kurzstrecken) oder: Anstelle der Personen können keine Fahrräder oder Hunde mitgenommen werden.
Aber wir wollen uns nicht mehr durch den Tarifdschungel schlagen, um dann am Ende doch die falsche Karte zu haben. Wir wollen auch nicht auf die nächste Beförderungsgebührenerhöhung der DVB AG warten. Bezahlbar ist es für viele schon jetzt nicht mehr.

-----------------------------------------------------------
Berlin umsonst! sagt:
Fresst den Deutschen Arbeitgebertag! Dokumentation eines Flugblatts

"Deutschland ein Sanierungsfall - sind wir reformfähig?"

...fragt die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) treuherzig in die gut gekleidete Herrenrunde im Hotel Maritim in Berlin Mitte. Und Dieter Hundt, BDA-Präsident, hat auch die Antwort parat: Ja und ja!
Aber wenn die Chefs von "Sanierung" reden, wissen alle im Betrieb, was gemeint ist: Es müssen Köpfe rollen, und zwar bestimmt nicht die von denen, die den Laden leiten. Sonst ist nämlich der Standort in Gefahr. Fragt sich nur, wessen Standort.
Heute können wir den Standort besichtigen. Beim deutschen "Arbeitgebertag 2003" versammelt sich alles, was aus dem Wort "Reform" einen anderen Begriff für dreiste Umverteilung von unten nach oben macht.
Und wer da alles was zu sagen hat! Roland Koch (Ministerpräsident von Hessen) darf ebenso die Berliner Luft verpesten wie Wolfgang Clement (Bundeswirtschaftsminister), die Regierungsberater Peter Hartz und Bert Rürup werden ihre messerscharfen Pläne zur "Reform" des Sozialstaates erläutern, Wirtschaftsvertreter wie der Personaldirektor von McDonalds Deutschland, Roman Wolf, werden von den Segnungen fürsorglicher Konzernpolitik berichten. Der Chef der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, vergibt einen BDA-Bildungspreis, der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Hans-Jürgen Papier, fragt sich, ob man vielleicht die Verfassung ändern sollte.
Und wer das alles unterstützt! Von Coca Cola bis Konrad-Adenauer-Stiftung, von Grüner Punkt bis Berliner Pilsener, von Telekom bis Tschibo... Mehr als 30 Konzerne drängeln sich auf der Liste der Sponsoren.
Von 10 Uhr 30 bis 19 Uhr wollen die Herren zeigen, wer hierzulande das Sagen hat.
Um 12 Uhr 30 wollen sie zu Mittag speisen.
Wir wollen ihnen die Gemütlichkeit verderben. Wir haben keine Lust, uns länger die ganzen Scheindebatten über "Reformen" und "Sanierungen" anzuhören. Sie sagen: Schluss mit diesem. Schluss mit jenem. Wir sagen: Schluss mit Schluss! Es hat keinen Sinn, mitreden zu wollen über die Frage, ob besser hier oder besser da gekürzt werden soll. Es hat keinen Sinn, zu glauben, mit ein paar schlauen Ideen oder mit einer Rückkehr zu den guten alten Zeiten sei den Plänen dieser Herren beizukommen. Wir diskutieren nicht. Wir sagen allen: Habt den Mut, zu fordern, was euch zusteht! Lasst euch nicht beeindrucken von dem Sparzwang-Gerede. Es ist genug da für alle - wie es verteilt wird, und wer es verteilen soll, das ist die Frage. Und eine Antwort darauf wissen wir ganz genau: Nicht die Herren im Maritim-Hotel!
Deswegen wollen wir als kleine Anzahlung schon mal das Buffet haben. Her damit, Hundt!

---------------

[P.S.: Wir alle wissen, dass Kapitalismus nicht an und mit ein paar Schlipsträgern hängt, sondern ein gesellschaftliches System ist. Berlin umsonst! basiert auf solchen Analysen. Aber vielleicht muss es nicht in jedem Flugblatt in analytischer Breite ausgeführt werden!?]

---------------


Presseerklärung

Tumulte bei Deutschem Arbeitgebertag
"Berlin umsonst!" wollte Buffet stürmen

Am heutigen 4.12.2003 haben rund 500 Menschen lautstark gegen den Deutschen Arbeitgebertag im Hotel Maritim protestiert und versucht, in das Gebäude einzudringen. Die Initiative "Berlin umsonst!" (BU) hatte zu diesem Protest aufgerufen.

Uli Münzer für eine der "Berlin umsonst!"-Gruppen: "Es gibt eine faktische grosse Koalition von Parteien, Unternehmerverbänden, Teilen der Medien und der Gewerkschaftszentralen. Die derzeitige Umverteilung von unten nach oben soll uns als Sanierungskonzept verkauft werden, unter anderem mit solchen Show-Veranstaltungen von neoliberalen Selbstdarstellern. Wir werden ihnen auch in Zukunft keine Ruhe lassen."

BU! ruft zu weiteren Protesten auf, so etwa zur Demonstration gegen Sozialabbau am 13. Dezember in Berlin. BU! beteiligt sich unter dem Motto "Bildung für alle und zwar umsonst!" an den derzeitigen Uni-Protesten. BU! tritt ausserdem für die Bildung von Sozialforen ein und für die Einrichtung eines sozialen Zentrums in Berlin-Kreuzberg.

-----------------------------------------------------------
Ein Bericht von der "Schwarzfahr"-Aktion ("Recht auf Mobilität" in Berlin):

Unsere Gruppe, bestehend aus fünf Leuten, fuhr ab 10 Uhr vom Ostkreuz nach Gesundbrunnen in der Ringbahn. Wir fragten die Fahrgäste, ob sie KontrolleurInnen gesehen hätten und erinnerten sie, dass es durchaus lange dauern kann, den Fahrschein zu finden, wenn diese wertvolle (weil teuer gekaufte) Stück so sicher verpackt wurde. Die Zeit, die dadurch gewonnen wird, könnte Personen helfen, die sich Tickets nicht mehr leisten können.
Das Ganze gab es auch schriftlich als Flugblatt dazu.

Danach fuhren wir nach Westhafen, um von dort die U9 zu nehmen. Dort fanden wir unsere Kontrolleure. Nach einigen Gesprächen mit ihnen war klar, dass sie uns nicht hindern würden, unsere Aktion durchzuführen, sich aber auch nicht von ihrer Arbeit abhalten lassen würden. Zitat "Wir machen ja auch nur unsere Arbeit". Was folgte, war das berühmte Hase-und-Igel-Spiel. Egal, wo sie hinfuhren oder wie sie sich aufteilen, einige Studierende waren mit ihm Wagen und klärten die Fahrgäste darüber auf, was nach den Preiserhöhungen oder Abschaffungen (des Senioren-/Sozial- und Arbeitslosen-Tickets) auf sie zukommen würde.

Die Reaktionen der Fahrgäste waren meist sehr positiv und zustimmend, selbst die Schüchternen konnten sich ein Lächeln ob der Konfusion nicht verkneifen, wer nun Kontrolleur, "KontrolleurIn der Kontrolleure" oder einfach nur Fahrgast war. Einige Kommentare wurden mit Mikro aufgenommen und werden hoffentlich bald geschnitten anzuhören sein.

Osloer Straße und Leopoldplatz kam der Wachschutz und versuchte, uns des Bahnhofs zu verweisen. Begründung: Bahnhöfe seien nur zum Ein- und Ausstieg, nicht zum Verweilen gedacht. Wir sollten auch das Filmen, Fotografieren und Aufnehmen einstellen, des weiteren sei das Verteilen von Flugblättern auch verboten. Das konnten die zwei, drei WachschützerInnen aber angesichts der vielen Protestierenden nicht durchsetzen, die mittlerweile zu fast zwei Duzenden die Kontrolleure auf dem Bahnsteig protestierten. Leopoldplatz scheint übrigens eine Sammelstelle der Kontrolleure zu sein, denn dorthin wurden sie von ihrem Vorgesetzten hinbeordert als diese die Beeinträchtigung ihrer Arbeit meldeten.

Ich konnte sicher nicht alles überblicken, deswegen sind Kommentare von anderen Beteiligten o.ä. gerne gesehen.

Ein Tipp auch für die Zukunft:
Bevor KontrolleurInnen das Recht haben, Dich zu kontrollieren, müssen sie sich als berechtigt ausweisen. Dazu zeigen sie ihren Kontrollausweis. Bitte den/die KontrolleurIn, den Ausweis umzudrehen. Auf der Rückseite steht "Nur gültig in Verbindung mit dem Betriebsausweis der BVG". Verlange, auch diesen zu sehen und überprüfe, ob dieser noch gültig ist (vor allem nach dem Jahreswechsel kann es durchaus passieren, dass dieser abgelaufen ist). Wer Lust hat, kann die Echtheit des Ausweises anzweifeln, denn wer weiß schon, wie ein BVG-Ausweis aussieht. Hat die/der KontrolleurIn auch einen Personalausweis? Erst dann beginne, umständlich in Deinen Taschen zu kramen und den Fahrausweis zu suchen. Studierst Du, kannst Du erst nach Deinem Perso suchen, den zeigen und dann erst nach dem Semesterticket suchen und es dann zeigen. Das macht natürlich nur Sinn, wenn der/die KontrolleurIn auch dabei zuguckt. Wenn nicht, Suche abbrechen und das Spiel von vorn beginnen. In der Zwischenzeit laut über die gestiegenen Fahrpreise sinnieren.
Der Tipp ist praxiserprobt. Die KontrolleurInnen wissen, dass sie verpflichtet sind, den BVG-Ausweis auf Verlangen zusätzlich zum Kontrollausweis zu zeigen, sonst kannst Du die Kontrolle verweigern.
-----------------------------------------------------------
(Berlin) Es erinnerte ein wenig an das bekannte Brettspiel "Scotland Yard". Auf allen U- und S-Bahnlinien waren mehrere hundert Menschen auf der Suche nach Mr. X – oder besser gesagt den Kontrolleuren von BVG und S-Bahn. Ein Trägerkreis "Recht auf Mobilität" hatte zum Schwarzfahren aufgerufen um gegen Preiserhöhungen und die ersatzlose Streichung der vergünstigten Monatskarte für Sozialhilfeempfänger zu protestieren. Kleine "Störer"-Gruppen sollten Kontrollen durch fantasievolle Aktionen verhindern.

Schon ab zehn Uhr morgens waren diese Gruppen auf vielen Bahnhöfen mit "Vorsicht Kontrolle"-Schildern, Tröten, Trillerpfeifen, Gitarren und haufenweise Flugblättern zu sehen. Wegen des dezentralen Charakters der Aktion ist schwer abzuschätzen, wie viele Menschen sich an "Kontrollverhinderungsaktionen" beteiligt haben. Schätzungen vieler Teilnehmer zufolge müssen es weit mehr als 500 gewesen sein. Sobald die Kleingruppen Kontrolleure gesichtet hatten, hefteten sie sich an deren Fersen. Die Kontrolleure reagierten genervt, manche gaben auf, andere konnten durch die Behinderungen ihre Kontrollen nicht durchführen. Die Kontrolleure versuchten sich durch größere Gruppen (bis zu 20) gegen die "Störer" zu wehren. Andere Kontrolleure versuchten ihren Begleitern durch Flucht z.B. durch den Kaufhof am Alexanderplatz zu entkommen. Nach Zeugenaussagen wichen viele Kontrollteams auf die Straßenbahnen aus. Über handgreifliche Auseinandersetzungen ist bislang nichts bekannt.

Die Reaktionen der Fahrgäste waren gemischt – von Desinteresse bis offen bekundeter Solidarität. Viele empörten sich über die zweite Preiserhöhung in einem Jahr, von der viele noch gar nichts wussten. Nach einer ersten Einschätzung ist "Schwarzfahr-Aktion", die für die Initiatoren ein rechtliches Nachspiel haben wird (wegen Aufruf zu Straftaten), als sehr positiv zu werten.

Die heutige Studi-Demo war eher enttäuschend. Nur etwa 1000-2000 Menschen beteiligten sich daran. Vielleicht ist es aber einfach nur langweilig geworden jeden Samstag in etwa die gleiche Strecke zu laufen. Am Ende kam es noch zu einem Eklat. Als ein Redner zur Beteiligung an der Schwarzfahrer-Aktion aufrief, wollte die Polizei die Personalien aufnehmen, was von den Demonstranten versucht wurde zu verhindern. Mindestens ein Demonstrant wurde festgenommen.

Es gab noch einen weiteren Lichtblick, der viele an diesem Tag gefreut haben dürfte. Wissenschaftssenator Flierl (PDS) bekam auf einer TU-Veranstaltung eine oder mehrere Torten ins Gesicht. Genauso ein SPD-Abgeordneter. Der Sicherheitsdienst der TU versuchte den/die WerferIn in einem Zimmer/Pförtnerhäuschen bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Laut Augenzeugen befreiten zahlreiche Studierende den/die "TäterIn". Auch schön.

Derweil gehen die Proteste in Berlin weiter. Am morgigen Sonntag findet ab 10 Uhr die traditionelle Liebknecht/Luxemburg Demonstration statt, zu der bis zu 80.000 Menschen erwartet werden. Am kommenden Donnerstag (15.1.) ruft das Berliner Bündnis gegen Sozial- und Bildungsraub zu einer Einkreisungsdemonstration am Abgeordnetenhaus auf. Das Berliner Abgeordnetenhaus will an diesem Tag den Doppelhaushalt beschließen.

Auch wenn die bürgerliche Presse ein Ende der Bildungs- und Sozialproteste herbeibeschwört – in Berlin ist davon nichts zu spüren. Es geht weiter.

-----------------------------------------------------------
Berlin Umsonst: Konzertbesuch in Volksbühne

Freitag Abend spielte die Elektro-Punkband "Le Tigre" in der Berliner Volksbühne. Eine Karte: 18 Euro. Etwas teuer dachten wir ? und gingen umsonst zum Konzert.

Es war schon 21.30 Uhr als wir in einer linken Berliner Kneipe auf einen Flyer aufmerksam wurden: "Le Tigre umsonst ? Berlin Umsonst! Treffpunkt 21.30 Uhr vor der Volksbühne!" hieß es da. Naja, so früh geht es ja meistens eh nicht los, dachten wir uns, und machten uns auf den Weg um gegen 22 Uhr vor der Volksbühne in Berlin-Mitte anzukommen. Viele Gleichgesinnte schienen dort nicht auf uns zu warten. Allerdings sind wohl laut einigen anderen Leuten wohl schon zuvor ein paar Menschen umsonst in den Saal gestürmt.

Wir waren zu diesem Zeitpunkt aber auch schon ca. 10 Leute. Also, allen Mut zusammengenommen, von 3 auf 0 heruntergezählt und mit lautem "Alles für Alle ? und zwar umsonst!" hineingerannt. Die Security schien schon etwas vorbereitet, was dafür spricht, dass schon vor uns ein paar Leute hineingerannt sein müssen - wie gesagt, wir kamen ja etwas verspätet. Nach ein paar leichten Rangeleien waren wir dann aber im Saal und konnten das Konzert genießen. 3, 4 Leute wurden, so wie ich es gehört habe, allerdings auch von der Security aufgehalten.

Interessant fand ich, dass die Volksbühne gerade einmal zur Hälfte gefüllt war. Ich habe nie Marx noch sonst einen anti-kapitalistischen Klassiker gelesen ? aber da zeigt sich für mich die Unlogik dieses Marktsystems: Es gibt viele Menschen die "Le Tigre" gern gesehen hätten, und es wäre auch problemlos möglich gewesen. Platz gab es noch mehr als genug, aber es war nicht gewollt. Wer das Geld nicht hat, muss draußen bleiben. Erwähnenswert ist auch noch, dass in der "pseudo-alternativen" Volksbühne auch schon Veranstaltungen mit dem Titel "Recht auf Faulheit" liefen. Wie hoch der Eintritt bei solchen Veranstaltungen ist, weiss ich allerdings nicht.

Insgesamt eine sehr schöne Aktion, mit der ich bzw. wir direkt zum Ausdruck bringen konnten, was uns stört: In diesem Falle war es nicht die Agenda 2010, und auch nicht die Abschaffung des Sozialtickets der Berliner Verkehrbetriebe, sondern der zu hohe Eintrittspreis. Und diese Kritik konnten wir, glaube ich, ganz gut zum Ausdruck bringen.

Das Konzert war im Übrigen auch ganz gut ? obwohl der wirkliche Punk vorher stattfand ;-)


P.S. ich habe zwar offiziell nichts mit den Leuten zu tun, aber hier kommt die tolle Idee her, die wir heute in die Tat umgesetzt haben: http://www.berlin-umsonst.tk
----------------------------------------------------------

Berlin: Schwimmbad umsonst


Kapitalismus untertauchen!

Berlin: Am Sonntag, den 29.Juni starteten im Rahmen der "Berlin umsonst!"- Kampagne vom Spreewaldbad in Kreuzberg ca. 80 DemonstratInnen mit Ihren Fahrrädern, zu einer Tour zu weiteren Schwimmbädern, um gegen die allgemeine Verteuerung des Lebens zu demonstrieren.

Aufruf

Letzten Sonntag gab es eine weitere Aktion im Rahmen der Kampagne "Berlin umsonst!". Mit einer Fahrraddemo wurden drei Berliner Schwimmbäder (Spreewaldbad, Monbijoubad und Prinzenbad) abgeklappert. Auf der knapp 1 ½ stündigen Fahrt wurde gegen die zu hohen Schwimmbadpreise, gegen die Politik der Sozialkürzungen in Berlin und auf Bundesebene und gegen die Verteuerung des täglichen Lebens im Allgemeinen protestiert. An den Fahrrädern baumelten Schilder und flatterten Fahnen gegen den "Eintrittsterror im Schwimmbad" (zum Beispiel). Angeknüpft wurde dabei an die Proteste im letzten Jahr, wo es spontan auch zur Erstürmung des Freibades "Prinzenbad" kam. Am Prinzenbad wurde die Fahrraddemo von gut 50 Menschen mit Transparenten und guter Laune in Empfang genommen. Der DJ auf dem Lautsprecherwagen sorgte für wasserbombige Partystimmung, der auch der bullige private Sicherheitsdienst nichts entgegensetzen konnte. (Selbst im fast leeren Bad waren überall Securitys.) Da der Platz vor dem Schwimmbad großräumig abgesperrt war, dehnte sich die Party auf die Straße aus, wo sie trotz der Androhung von Polizeiräumung auch fast geblieben wäre... Trotz guter Stimmung kam es nicht zur Stürmung des Bades, wie viele gehofft hatten. Aber was nicht war, kann ja noch werden ...

Unser Korrespondent vor Ort hat vom Lautsprecherwagen folgende Parolen belauscht, mit denen die Massen in Ekstase versetzt wurden:
" (...) Auch wenn allenthalben behauptet wird, die Kürzungen seinen notwendig: Es stimmt nicht, wir müssen sie nicht einfach hinnehmen! Und auch wenn uns täglich das Gegenteil eingeredet wird, halten wir daran fest: Wir haben das Recht auf ein schönes Leben! Also her damit! (...) Es ist klar, dass wenn die Wirtschaft dadurch in Schwung gebracht werden soll, dass die Löhne gesenkt werden, dann muss man auch die Ansprüche der Leute ans Leben nach unten korrigieren, dann muss man sie an den Gedanken gewöhnen, dass sie mit weniger zufrieden sein sollen. Man muss dafür sorgen, dass zum Beispiel ein Schwimmbadbesuch nicht mehr als selbstverständlich angesehen wird, sondern als Luxus, für den man viel Geld bezahlt. Wenn wir das geschluckt haben, dann ist das Kapital zufrieden - und der Berliner Senat auch. Aber wir machen nicht mit! Wir sagen: Weg mit den Schwimmbadpreisen! Das Kapital kann gerne rumheulen, dass die Arbeit hier zu teuer ist undsoweiter undsoweiter - das interessiert uns nicht! Wir fordern freien Eintritt, weg mit den Eintrittpreisen! Wir fordern auch: Weg mit den Kontrollen in der U-Bahn, richtig, wir brauchen kein Sozialticket, wir brauchen Nulltarif! Wir brauchen kostenlose KiTas und Sportvereine und keine Kürzung der Arbeitslosenhilfe und auch keine Studiengebühren! Wir brauchen kostenlose Gesundheitsversorgung und kein Eintrittsgeld beim Arzt! (...) Wir haben keine Lust und wir haben auch nicht vor, die Berliner Haushaltsmisere auszubaden! Wir scheißen auf den rotroten Senat und seine Politik der Sozialkürzungen! Sie sagen: Schluss mit diesem, Schluss mit jenem. Wir sagen: Schluss mit Schluss! Her mit dem schönen Leben: Berlin umsonst!!!"

-------------- Aufruf -------------------------------------
Was ist cool? – Reclaim the pool!
Warmer Sommertag – ab ins Freibad? Gute Frage. Wie waren nochmal die Eintrittspreise? 4 Euro normal, 2fuffzich ermäßigt. Satt! Was tun, bezahlen? Geht nicht, womit?! Über den Zaun klettern? Läuft auch nicht: Höhenangst. Umkehren und zurück nach Hause also. Oder ins nächste Internetcafe: schnell www.berlin-umsonst.tk gecheckt und siehe da: Sonntag 29.Juli, 14 Uhr, Treffpunkt Spreewaldplatz: Fahrraddemo von Schwimmbad zu Schwimmbad, danach Party vorm Prinzenbad und vielleicht ein paar Bahnen für lau schwimmen, wer weiß...

Die Freibäder sind leerer geworden in Berlin, selbst an heißen Tagen findet man noch ein freies Plätzchen. Wie kommt’s? Ach ja: die hohen Eintrittspreise... Letzten Sommer sind sie angezogen: auf 4 Euro für Erwachsene und 2 Euro 50 für alle Ermäßigten. Das war, um die Mitte der 90er privatisierten Bäder rentabler zu machen – ein stolzer Betrag! Die zugrunde liegende Rechnung ist einfach: Die Mehreinnahmen durch Preiserhöhungen müssen die Einbußen, die dadurch entstehen, dass Besucher wegen der höheren Preise zu Hause bleiben, übersteigen. Diese Rechnung beinhaltet, dass Leute mit wenig Geld aufs Schwimmbad verzichten müssen. Die, die sich die höheren Preise noch leisten können, sorgen dafür, dass die Bilanz der Bäderbetriebe trotzdem stimmt. „Betriebswirtschaftlich sinnvoll“ nennt man das, und es ist das gleiche Lied, das immer läuft, wenn das Leben mal wieder teurer wird, ein kapitalistischer Evergreen: das Loblied der Marktwirtschaft, der Soundtrack zum Sozialabbau. Kurz gesagt: Für alle, die nicht in Geld schwimmen, aber auf das Schwimmen im Wasser trotzdem nicht verzichten wollen, ist das zum Kotzen!!

Und wie geht die Geschichte weiter? Nun, im letzte Jahr gab’s wilde Proteste gegen die Preise, zumindest vorm Kreuzberger Prinzenbad. Erst wurde das Bad gestürmt und umsonst gebadet, dann kam die Polizei und hat die Gäste belästigt, und schließlich wurden die Preise gesenkt. Zwar nur vorrübergehend und nur um 50 Cent, doch es zeigt: Protest ist nicht umsonst. An den letztjährigen Sturm im Wasserglas bzw. im Nichtschwimmerbecken knüpfen wir nun an und rufen auf zur Fahrraddemonstration von Schwimmbad zu Schwimmbad: Mit Musik und Sonnenöl für freien Eintritt. Berlin ist pleite und wir sollen’s ausbaden? Dann aber bitteschön im Freibad und umsonst! Nicht Schluss mit diesem, Schluss mit jenem, sondern Schluss mit Schluss und her mit dem schönen Leben!!!

Also: Packt die Badehose ein, pumpt die Strandbälle auf, ladet die Wasserpistolen durch, denn es heißt Was ist cool? Reclaim the pool! Von Freibad zu Freibad – Fahrraddemo gegen unbezahlbare Schwimmbadpreise und für freies Planschen in den Fluten! Sonntag 29.Juni, 14 Uhr, Treffpunkt Spreewaldbad und ab 16 Uhr Party mit Soundsystem und Wasserbombenstimmung vorm Prinzenbad. Hawaiihemden, Förmchen, Strandkörbe und andere Badeutensilien sind mitzubringen!



21. Juni | 18°° Uhr | Lausitzer Platz | Berlin-Kreuzberg
---------------------------------------------------------
Kapitalismus untertauchen! Demo gegen Berliner Schwimmbadpreise
von F.e.l.S. - 10.08.2002 19:28

100 Leute demonstrierten heute in Berlin gegen die Erhöhung der Eintrittspreise im Kreuzberger Prinzenbad.




Summer of Resistance

Mit Wassereis und Sommerhits wurde heute ein weiteres Mal gegen die Eintrittspreise im Kreuzberger Prinzenbad demonstriert. Diese sind mit Beginn der Sommersaison in allen Berliner Freibädern enorm angestiegen und für viele Leute kaum noch zu bezahlen. Einige Bäder mussten ganz schließen. Hintergrund sind die Berliner Schulden von mehreren Milliarden Euro für die alle BerlinerInnen nun aufkommen sollen. Parallel zur Aktion in Kreuzberg fand eine Protestdemo in Moabit zum Freibad Plötzensee statt.

Nachdem es bei der letzten Aktion vor einem Monat einigen Badewilligen im Prinzenbad durch Entschlossenheit gelungen war, den Eintrittspreis um 100% zu senken, war diesmal ein größeres Aufgebot an Securities und Polizei präsent. Der Eingangsbereich wurde großäumig abgesperrt und dichtgemacht. Somit war kein "Vamos a la playa" durchzusetzen.

Deshalb wurde das Prinzenbades einmal umrundet. Dabei wurden noch einige Aufpasser mit Wasserbomben abgekühlt. Die positiven Reaktionen von Badegästen und KreuzbergerInnen und die bisher gute Resonanz in der Presse lassen hoffen, dass der Widerstand gegen die Spar -und Sachzwanglogik der Berliner Politik größer wird.



-----------------------------------------------------------
S-Bahnfart zum SPD-Sonderparteitag: Beförderung zum Nulltarif!!





Sozialabbau..?
Am 1. Juni 2003 findet im Hotel Estrel in Neukölln der SPD Sonderparteitag zur „Agenda 2010“ statt. Diesmal dürfen wir uns die alte Leier von leeren Kassen, Sachzwängen und leider alternativlosen „notwendigen Reformen zum Umbau des Sozialstaats“ zur Abwechslung von der Bundes-SPD statt vom rot-roten Berliner Senat anhören: Der jeweilige Standort, ob Berlin oder Deutschland sei nur noch durch harte Einschnitte ins soziale Netz zu retten.



...Berlin umsonst!
Angesichts solcher Töne kommen wir schon etwas ins Grübeln: Moment! Irren wir uns oder leben wir nicht in der Hauptstadt eines der reichsten Länder der Erde? Bedeuten 4,5 Millionen Arbeitslose, dass demnächst die Regale in den Supermärkten leer sein werden, weil nicht mehr genug produziert wird? Die Antwort ist klar: Das Problem für viele Leute ist hier und jetzt erst mal nicht, dass es von irgendwas zu wenig geben würde, sondern das Preisschild, das an den schönen Dingen klebt!

Leben zum...
Wir haben unsere berechtigten Ansprüche auf ein gutes Leben! Auf den gesellschaftlichen Reichtum, nicht mehr aber auch nicht weniger als jede und jeder andere auch. Wir bestehen nämlich unverschämterweise darauf, dass sich die Art und Weise, wie in einer Stadt, einer Gesellschaft, Wirtschaft und Politik organisiert wird, sich nach den Bedürfnissen der Menschen zu richten hat und nicht umgekehrt. Und wir haben auch längst begriffen, dass niemand für unsere Ansprüche kämpfen wird, wenn wir es nicht selber tun.
...Nulltarif!
Deshalb wollen wir am ersten Juni zeigen, dass uns Standorte, egal ob Berlin, Deutschland oder sonstwo, am Arsch vorbei gehen. Wir laden ein zu einer Sonntagsspazierfahrt mit der S- Bahn zum Hotel Estrel, mit Musik und zum Nulltarif! Nehmen wir uns die Bahn und melden wir unsere Ansprüche an: auf Mobilität zum Nulltarif, auf Bildung, Wohnen, Gesundheit,.... Berlin umsonst! Laut, frech, bunt und mit guter Laune!
Vom S- Bahnhof Sonnenallee aus wollen wir uns der Kundgebung vor dem Estrel anschließen. Also kramt eure Hawaiihemden raus, lasst eure U-Bahn Tickets zu Hause – wenn ihr welche habt – und bringt euren Kram mit: Kaffee, Kuchen, Konfetti, Liegestühle, Luftschlangen, Pauken und Trompeten... und was Euch sonst noch so einfällt!

Sonntag, 1. Juni 2003 | 12:45 Uhr | S-Bhf Alexanderplatz Gleis 3


Es gibt auch eine Demo ab Hermannplatz (11:00 Uhr) zum Sonderparteitag ( Aufruf)

-----------------------------------------------------------
Startschuss für die Kampagne „Berlin umsonst“

Mit einer „Sternfahrt“ zum Kottbussser Tor begann heute (Samstag, 10. Mai) um 17 Uhr die Bündnis-Kampagne „Berlin umsonst! – Für ein Leben zum Nulltarif!“.
Von den U-Bahnhöfen Leinestraße, Alexanderplatz (U8), Warschauer Straße und Möckernbrücke (U1) fuhren insgesamt ca. 50 Leute zum Kottbusser Tor, wo sie mittels. Flugblättern auf die Kampagne aufmerksam machten und Freifahrtickets (auch als Aufkleber verwendbar) verteilten. Anschließend gab es eine kurze Party mit Konfetti und Musik auf dem Bahnsteig. Das zweiköpfige Sicherheitspersonal der BVG war mit der Situation sichtlich überfordert und beschränkte sich schließlich aufs Zuschauen – ein ermutigendes Zeichen für weitere Aktionen. Schließlich zogen die TeilnehmerInnen in einer kleinen Spontandemo über die O-Straße Richtung Görlitzer-Bahnhof.
Gegen immer dreistere Fahrscheinkontrollen und ständig steigende Preise ruft die Kampagne zur Unterstützung derjenigen auf, die sich den öffentlichen Nahverkehr schon jetzt nicht mehr leisten können (etwa dadurch, dass man nach Fahrtende sein Ticket weitergibt – wenn man denn eins hat), und fordert Nulltarif für Bus und Bahn und den freien Zugang zum sozialen und kulturellen Leben.
Die Kampagne soll einen Beitrag zum Widerstand gegen die Sparpolitik des Senats leisten. Dem drastischen Kahlschlag im sozialen und kulturellen Stadtleben, den der rot-rote Senat vorantreibt, muss Widerstand und sozialer Ungehorsam entgegengesetzt werden. Die Privatisierung von Gewinnen und die Sozialisierung von Verlusten sind zwar kapitalistische Evergreens, aber dennoch keine Sachzwänge. Ihnen liegen politischen Entscheidungen zugrunde, die es anzugreifen gilt: „Der rotrote Senat sagt: Wir müssen sparen! Schluss mit diesem, Schluss mit jenem! Wir sagen: Schluss mit Schluss! Genug gespart: Berlin umsonst!! Gegen Kürzungen und Sachzwanglogik setzen wir das Recht auf ein schönes Leben!“ So hieß es in einem Redebeitrag, der die Kampagne auf den beiden Erste-Mai-Demos vorgestellt hat.

In diesem Sinne rufen wir alle interessierten zur Unterstützung der Kampagne auf, die in den nächsten Wochen noch einige Aktionen rund ums Thema Leben zum Nulltarif starten wird. Auch eigene Aktionen, die diese Frage aufgreifen, sind ausdrücklich erwünscht!
Ein besonders herzlicher Gruß geht an dieser Stelle an die am letzten Mittwoch geräumten BewohnerInnen der Rigaer Straße 94, die sich heute beim Möbelhaus Innova am Alexanderplatz häuslich eingerichtet haben.Wir solidarisieren uns mit dem Kampf der Rigaer94-BewohnerInnen gegen die Räumung!

Verteilter Flyer:

Werte Fahrgäste!
Öffentlicher Nahverkehr in Berlin heißt, viel Geld für ein wenig Mobilität ohne Auto zu bezahlen. Öffentlicher Nahverkehr in Berlin heißt, immer dreisteren Fahrscheinkontrollen ausgesetzt zu sein. Wir sagen, es gibt ein Grundrecht für jede und jeden, sich umsonst auf eine ökologische Art durch Berlin zu bewegen, zum Nulltarif in S- und U- Bahnen und Bussen.
Doch bevor wir so weit sind, können wir uns im Alltag solidarisch denjenigen gegenüber verhalten, die das nötige Geld für den öffentlichen Nahverkehr nicht haben bzw. denjenigen gegenüber, die aus Protest „schwarzfahren“:

In dem wir bei Kontrollen minutenlang unseren Fahrschein, unser Semesterticket oder unsere BVG-Karte suchen.
In dem wir jeden Kontrolleur und jede Kontrolleurin mit unserem nicht enden wollenden Gemecker über die Preise, die allgegenwärtige Kameraüberwachung nerven, so das sie vielleicht bald lieber erwerbslos sind als solch einen überflüssigen Denunziantenjob zu machen.
In dem wir bei einer Kontrolle versuchen, heimlich unsere sog. Fahrberechtigung demjenigen zuzustecken, der oder die offensichtlich keine hat.
In dem wir uns mit Freundinnen und Freunden zusammentun und Schwarzfahrkassen gründen, aus denen Bußgelder gezahlt werden.
In dem wir unseren 2 Stunden gültigen Fahrschein nach Beendigung unserer Fahrt in einen Fahrscheinautomaten legen bzw. anderen direkt weitergeben.
Öffentlicher Nahverkehr umsonst und zwar sofort!



-----------------------------------------------------------

Erstes in Erscheinung treten am 1. Mai in Berlin




Redebeitrag der Gruppe felS, der am 1. Mai sowohl auf der Demo um 15:00 Uhr als auch um 18:00 Uhr gehalten wurde:

Hallo allerseits.
Es ist so schön: Für einige Wochen im April dreht sich der kleine linke Planet für alle gleich. Um ein Ereignis, über das in der Parallelwelt da draussen nur in Statistiken gesprochen wird: Wie hoch ist der Sachschaden? Wie viele Festnahmen? Wie viele verletzte Polizisten?
Oh ja, der erste Mai ist aufregend, er ist heiss und er ist heute!Ab morgen ist wieder Alltag. Ab morgen werden wir vom grössten Teil der 1.Mai-Gruppen bis zum nächsten Jahr nicht mehr viel hören...
Es kommt nicht von ungefähr, dass man in ihren Aufrufen den Umbau der Sozialsysteme vergebens sucht - den umfassendsten in der Geschichte der BRD. Oder ein Statement über die Kürzungsorgien, die uns in Berlin das Leben schwer machen. "Maifestspiele rein, Alltag raus!" heisst ihre
Devise. Wir finden: Linker Widerstand muss im Alltag wieder sichtbar werden.
Wir sagen: Berlin umsonst! Jetzt fragt ihr euch vielleicht: War alles umsonst? Nein, ganz im Gegenteil. Nicht umsonst genug! Uns dröhnen schon die Ohren vom Mediengetrommel, dass alle sparen müssen, dass es ohne harte Einschnitte ins soziale Netz nicht weitergeht etcetera etcetera. Ich weiss nicht, wie viele heute hier sind, die das wirklich glauben. Wird der Kapitalismus wirklich nett zu uns sein, wenn wir noch einen Finger mehr hergeben? Wir finden, es ist an der Zeit, in all dem Jammertal der Sachzwangdebatten wieder auf ein paar alte bekannte Tatsachen zu verweisen. Nein, der Staat ist nicht pleite, sondern er verteilt weiterhin Geld von unten nach oben. Nein, der Staat ist nicht geschaffen worden, damit es uns allen hier gut geht, sondern um diese Art der gesellschaftlichen Reichtumsproduktion zu sichern. Nein, wir betteln nicht um Almosen, wenn wir sagen, dass wir genug davon haben.

Manchmal scheint es fast, als interessierten sich für die sogenannte soziale Frage nur Gewerkschaften und die diversen sozialdemokratischen Parteien. Seit einiger Zeit gibt es aber Versuche, das zu ändern und eine Position links davon wieder lebendig zu machen. Das Berliner Anti-Hartz-Bündnis mobilisiert schon einige Monate gegen die Regierungspolitik der Sozialkürzungen auf Bundesebene. In Berlin trifft sich seit ein paar Wochen ein "Berliner Sozialforum" - ein Anfang. Wir
wollen diesem Anfang ein bisschen Pfeffer verpassen. Wir sagen: Schluss mit der Debatte darüber, wie der Staat besser sparen könnte, Schluss mit dem schlechten Gewissen, aber auch Schluss mit der Hoffnung, irgendwer sonst würde die Dinge schon richten.
Gegen Kürzungen und Sachzwanglogik setzen wir das Recht auf ein schönes Leben. Der rotrote Senat sagt Schluss mit diesem, Schluss mit jenem!

Wir sagen: Schluss mit Schluss! Genug gespart: Berlin umsonst!!!Die Kampagne "Berlin umsonst" bedeutet: Machen wir die Stadt auf für freies Fluten:
für Bewegungsfreiheit
für Nulltarif in Bus und Bahn
für die Rückeroberung der Straßen und Plätze
für den freien Zugang zum sozialen und kulturellen Leben

Nehmen wir uns die Stadt zurück!In diesem Sinne: Heraus zum revolutionären 2.Mai bis 30.April! Beteiligt euch an den Aktionen der Kampagne, denkt euch selbst welche aus, werdet aktiv! Her mit dem schönen Leben - Berlin umsonst!
----------------------------------------------------------
Berlin: MoMA umsonst! Bericht
von tlc - 17.04.2004 21:48

Mehrere hundert Menschen versammelten sich heute an der Neuen Nationalgalerie in Berlin-Schöneberg zwecks Umsonst-Besuchs des Museum of Modern Arts (MoMA). Wie nicht anders zu erwarten verhinderte die Polizei das. Im Anschluss gab es eine Spontandemonstration zur Zentrale der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Berlin Umsonst hatte im Rahmen der Mai-Steine-Kampagne dazu aufgerufen, öffentlich und deutlich zu zeigen, dass es uns nicht "nur" um Grundbedürfnisse wie Wohnen und Bewegungsfreiheit geht, sondern auch um den freien Zugang zu Kunst und Kultur. Und wo lässt sich das zur Zeit in Berlin besser zur Diskussion stellen als rund ums MoMA, mit seinem Zwei-Klassen-Preissystem (Sondereingang für VIPs) und dem ganzen Medienrummel drumherum?

Einige hundert Leute wollten sich das nicht entgehen lassen und strömten zum MoMA. Gegen 16 Uhr wurde es immer voller auf dem grossen Vorplatz vor der Neuen Nationalgalerie. Die Bereitschaftspolizei, die etwa zwei Hundertschaften einsetzte, verteilte willkürlich Platzverweise und nahm zahlreiche Personen vorübergehend fest - als Anlass dafür genügte falsche Kleidung oder das Verteilen von Flugblättern. Dazu muss auch gesagt werden, dass die Aktion nicht offiziell angemeldet war - wenn auch über die Medien mehr als deutlich "angemeldet". Wir werden uns auch in Zukunft keine Bahnsteigkarte für die Revolution kaufen - wir wollen mindestens Freikarten!

Die MedienvertreterInnen schwirrten einfrig umher und warteten vergeblich auf das Klirren von Scheiben, dafür bekamen sie Interviews zur Erklärung der Aktion. Letztlich hatten es etwa dreihundert Menschen geschafft bis vor das Museum, konnten aber dort wenig ausrichten, weil die Polizei ziemlich schnell ruppig wurde und es ja auch nicht um eine Auseinandersetzung mit den Bütteln gehen sollte. Unterdessen wurde die Ausstellung geschlossen, da die MoMAcher Angst hatten, Leute mit Eintrittskarten könnten drinnen Ärger machen, und die Polizei sperrte den gesamten Vorplatz.

Nach etwas mehr als einer Stunde kam doch noch das Modell "Bahnsteigkarte" zum Zuge, denn es wurde eine Spontandemo angemeldet. Rund 350 Leute zogen die Potsdamer Strasse runter und vereinigten sich mit der gerade ankommenden Demonstration gegen die hohen BVG-Fahrpreise, so dass am Ende alle knapp 1000 Leute zusammen dort ankamen.

-----------------------------------------------------------

P R E S S E M I T T E I L U N G

„Hamburg Umsonst – Heute: Kino Umsonst“ lautete das Motto der Auftaktveranstaltung der Kampagne Hamburg Umsonst am Fr., 24. 10. 03. um 20 Uhr im CinemaxX Kino am Dammtor, an der sich ca. 70 AktivistInnen beteiligten. Während des massiven Polizeieinsatzes wurden zehn Personen in Gewahrsam genommen, andere erhielten nach einer Personalienkontrolle Hausverbot.

Pünktlich zur 20 Uhr-Vorstellung hatten sich etwa 70 AktivistInnen der Kampagne Hamburg Umsonst im CinemaxX Kino eingefunden. Für kurze Zeit verwandelte sich das Foyer in den Schauplatz eines bunten Happenings. Mehrere Transparente wurden enthüllt mit den Aufschriften: „Hamburg Umsonst“, „Hamburg Umsonst –heute: Kino umsonst“ und „Popcorn für Alle“. Zu der Musik von Pink Panther flogen Luftschlangen und Konfetti durch die Luft. Eine Aktivistin verschenkte Popcorn an die erstaunten KinobesucherInnen, einige unterstützten sie dabei tatkräftig. Die in der Schlange wartenden Kinogäste wurden mit Freikarten dazu eingeladen, umsonst ins Kino zu gehen. Die Freikarten sahen den Eintrittskarten des CinemaxX ähnlich, waren allerdings mit dem Label von Hamburg Umsonst versehen.

Die Aktion wurde von den KinobesucherInnen zunächst mit Erstaunen aufgenommen, das bei vielen schnell in Begeisterung umschlug. „Ich arbeite auch in einem Call Center, das wird viel zu schlecht bezahlt. Ich finde die Aktion super“, sagte Antonia M. aus Hamburg Wandsbek. Das Ziel, eine Kinovorstellung kollektiv umsonst anzusehen, konnte aufgrund des massiven Polizeieinsatzes nicht erreicht werden. Bereits nach zehn Minuten beendete die Polizei das bunte Treiben. Zehn Personen wurden in Gewahrsam genommen. Trotzdem gelang es einigen AktivistInnen in einen der Kinosäle vorzudringen, woraufhin die Geschäftsleitung des CinemaxX den Film unterbrechen ließ, um die „SchwarzguckerInnen“ von der Polizei entfernen zu lassen. Vierzig martialisch ausgerüstete Polizeibeamte durchkämmten die Sitzreihen und kontrollierten die Kinokarten der empörten Gäste. Dennoch gelang es einigen AktivistInnen den Film bis zum Ende zu gucken.

„Aber wir kommen wieder“, erklärt Sylvia Schulz, eine Sprecherin der Kampagne Hamburg Umsonst. „Das war erst der Anfang.“
Die Aktion fand im Rahmen des Hamburger Aktionstags „Halbzeit. Ende. Aus.“ statt, der sich gegen Sozialabbau, Ausgrenzung, Bildungsabbau und Vertreibung, insbesondere deren Verschärfung unter dem seit zwei Jahren amtierenden Rechtssenat gerichtet hat. Die Kampagne Hamburg Umsonst will mit neuen Aktionsformen Freiräume und gesellschaftlichen Reichtum Schritt für Schritt zurückgewinnen, anknüpfend an bereits bestehende Umsonst-Kampagnen in anderen Städten.
-----------------------------------------------------------
Aus dem Aufruf der MoMa-Aktion:
------------
In Zeiten des Sozialabbaus, der Privatisierung von Gesundheit und Bildung, steigender
BVG-Preise und zahlreichen anderen Einschlägen wird auch so manches Kulturangebot
für viele unerschwinglich.
Wir wollen jedoch nicht um niedrigere Eintrittspreise bitten, für sozialverträglichere Kürzungen demonstrieren oder einen gerechteren Sozialstaat einfordern. Wir wollen nicht, dass unsere Lebensbedingungen verbessert werden, wenn es das ökonomische System gerade mal zulässt.
Wir wollen die Bedingungen selbst gestalten! Darum beginnen wir, uns zu nehmen, was wir für ein schönes Leben brauchen, überall und gemeinsam!
Die Aktion MoMA umsonst richtet sich nicht in erster Linie gegen die Neue Nationalgalerie, sondern gegen ein System, in dem Kunst wie so vieles andere auch, nicht für alle zugänglich ist, die Interesse daran haben.
------------

Aus dem Aufruf der BVG-Aktion
------------
BVG und Senat die Zähne zeigen!

Als die Nachricht veröffentlicht wurde, der Senat würde die Zuschüsse für das Sozial-, das Arbeitslosen- und das Seniorenticket streichen und diese damit faktisch abgeschafft werden, haben viele das erst einmal für einen schlechten Witz gehalten.

Irrtum: Knallhart wurde und wird das Programm durchgezogen und mit den „unabwendbaren“ Sparzwängen begründet. Stattdessen bietet die BVG ein „supergünstiges“ Ticket an, das ab 10 Uhr morgens bis 3 Uhr des Folgetages gültig ist (außerhalb dieser Zeit muss mensch noch mal extra bezahlen) und das auch satte 49,50 € (Das sind fast Hundert Mark!) kostet. Somit für die vielen, die jeden Euro dreimal umdrehen müssen, schlicht unbezahlbar.

Da wir wissen, dass Empörung über die herrschenden Zustände allein nicht ausreicht, müssen wir anfangen, verschiedene Widerstandsformen zu organisieren.

:: Kollektiv schwarzfahren war/ist eine davon und sollte fortgesetzt werden...
(Wenn wir ausreichend viele sind, jagen wir die Kontros und nicht umgekehrt. See them running! Eher rennt die BVG!...)

:: Flyer, Aufkleber mit dem Aufruf zum zivilen Ungehorsam. (Die Kontrollen behindern, aufhalten, outen…)

:: öffentlichkeitswirksame Aktionen, z.B. Demo am 17. April; BVG-Zentrale blockieren!

----------------------------------------------------------
P R E S S E M I T T E I L U N G

„Hamburg Umsonst – Heute: Kino Umsonst“ lautete das Motto der Auftaktveranstaltung der Kampagne Hamburg Umsonst am Fr., 24. 10. 03. um 20 Uhr im CinemaxX Kino am Dammtor, an der sich ca. 70 AktivistInnen beteiligten. Während des massiven Polizeieinsatzes wurden zehn Personen in Gewahrsam genommen, andere erhielten nach einer Personalienkontrolle Hausverbot.

Pünktlich zur 20 Uhr-Vorstellung hatten sich etwa 70 AktivistInnen der Kampagne Hamburg Umsonst im CinemaxX Kino eingefunden. Für kurze Zeit verwandelte sich das Foyer in den Schauplatz eines bunten Happenings. Mehrere Transparente wurden enthüllt mit den Aufschriften: „Hamburg Umsonst“, „Hamburg Umsonst –heute: Kino umsonst“ und „Popcorn für Alle“. Zu der Musik von Pink Panther flogen Luftschlangen und Konfetti durch die Luft. Eine Aktivistin verschenkte Popcorn an die erstaunten KinobesucherInnen, einige unterstützten sie dabei tatkräftig. Die in der Schlange wartenden Kinogäste wurden mit Freikarten dazu eingeladen, umsonst ins Kino zu gehen. Die Freikarten sahen den Eintrittskarten des CinemaxX ähnlich, waren allerdings mit dem Label von Hamburg Umsonst versehen.

Die Aktion wurde von den KinobesucherInnen zunächst mit Erstaunen aufgenommen, das bei vielen schnell in Begeisterung umschlug. „Ich arbeite auch in einem Call Center, das wird viel zu schlecht bezahlt. Ich finde die Aktion super“, sagte Antonia M. aus Hamburg Wandsbek. Das Ziel, eine Kinovorstellung kollektiv umsonst anzusehen, konnte aufgrund des massiven Polizeieinsatzes nicht erreicht werden. Bereits nach zehn Minuten beendete die Polizei das bunte Treiben. Zehn Personen wurden in Gewahrsam genommen. Trotzdem gelang es einigen AktivistInnen in einen der Kinosäle vorzudringen, woraufhin die Geschäftsleitung des CinemaxX den Film unterbrechen ließ, um die „SchwarzguckerInnen“ von der Polizei entfernen zu lassen. Vierzig martialisch ausgerüstete Polizeibeamte durchkämmten die Sitzreihen und kontrollierten die Kinokarten der empörten Gäste. Dennoch gelang es einigen AktivistInnen den Film bis zum Ende zu gucken.

„Aber wir kommen wieder“, erklärt Sylvia Schulz, eine Sprecherin der Kampagne Hamburg Umsonst. „Das war erst der Anfang.“
Die Aktion fand im Rahmen des Hamburger Aktionstags „Halbzeit. Ende. Aus.“ statt, der sich gegen Sozialabbau, Ausgrenzung, Bildungsabbau und Vertreibung, insbesondere deren Verschärfung unter dem seit zwei Jahren amtierenden Rechtssenat gerichtet hat. Die Kampagne Hamburg Umsonst will mit neuen Aktionsformen Freiräume und gesellschaftlichen Reichtum Schritt für Schritt zurückgewinnen, anknüpfend an bereits bestehende Umsonst-Kampagnen in anderen Städten.

-----------------------------------------------------------
hamburg umsonst!-Stadtrundfahrt

„Mobilität für alle und zwar umsonst!“ Unter diesem Motto fand am Nachmittag des 18. Juni eine kostenlose Stadtrundfahrt der Kampagne hamburg umsonst statt. Eine Woche nach der erneuten Fahrpreiserhöhung des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) beteiligten sich über 50 Menschen an Aktionen in U-Bahnen, Bahnhöfen und Bussen.

Zum Auftakt fand eine ungewöhnliche und kostenlose Fahrt mit der U-Bahn statt. Gemeinsam mit den Fahrgästen feierte hamburg umsonst das Recht auf Mobilität. Zur Musik von Gitte Haenning „Ich will alles“ wurden die
Waggons mit Fischen und Girlanden geschmückt. So wurde der graue U-Bahn-Alltag in eine Urlaubs- und Unterwasserlandschaft verwandelt. Zahlreiche Fahrgäste waren von der Aktion regelrecht begeistert.
Anschließend gings zum Bahnhof Altona, wo an einem Werbestand die Pinke Punkt Aktion vorgestellt wurde: Die Pinke Punkt Aktion ist eine Kooperation des Hamburger Verkehrsverbundes, der Deutschen Bahn AG und von Hamburg Umsonst. Gemeinsam wollen wir Mobilität für alle möglich machen. Den zahlreichen Einschränkungen der Mobilität durch zu hohe Fahrpreise, rassistische Kontrollen und Platzverweise stehen ebenso viele Möglichkeiten, sich das Recht auf Mobilität zu nehmen, entgegen. Schwarzfahren oder die Weitergabe gebrauchter Tickets gehören dazu. Aber auch die illegale Einreise oder Verstöße gegen die Residenzpflicht sind alltägliche Beispiele dafür, dass Menschen ihren Anspruch auf Mobilität auch gegen geltendes Recht durchsetzen - trotz des damit verbundenen Risikos. Die pinken Buttons ermöglichen es denjenigen, die eine Mitfahrgelegenheit suchen oder zu verschenken haben, sich gegenseitig zu erkennen (siehe Pinker-Punkt-Faltblatt).
Zum Abschluss gelang es, das faktische Demonstrationsverbot in der Innenstadt zu umgehen: Am Gänsemarkt wurde ein Bus, der durch die Innenstadt fuhr, mit Plakaten beklebt. Verlierer des Tages war die Hamburger Polizei: Während UMSONST schon wieder auf dem Nachhauseweg war, nahm die Polizei mit mehreren Mannschaftswagen die Verfolgung des beklebten Busses auf.
Und nun? Nicht nur die Fahrpreise des HVV steigen, alles wird teurer: Wohnungsmieten, Schwimmbadbesuche, Freizeitaktivitäten... Wir sind nicht länger bereit, das hinzunehmen. Wir nehmen uns das, was wir für ein schönes Leben brauchen - und zwar umsonst!

Alles für alle: Hamburg Umsonst!



e-Mail:: hamburgumsonst@gmx.net ¦

-----------------------------------------------------------
München: Fahndung nach Kontrolleuren


Pünktlich zur Fahrpreiserhöhung und den europaweiten Protesten gegen Sozialabbau wurden in München an zahlreichen U- und S-Bahnhöfen Plakate geklebt, die den Nulltarif in allen öffentlichen Verkehrsmitteln fordern und die Gesichter einiger Kontrolleure "outen".


Anfang April wurden in zahlreichen S-/-U-Bahnhöfen Plakate verklebt, die zum Schwarzfahren auffordern. Unter dem Motto "Klau Dir Deinen Leben zurück" und "Alles für alle" konnten tausende frühmorgens die Botschaft in den Eingängen zur U/S-Bahn lesen. Wie bereits die Aktion zur eines fingierten Bürgeraufruf zur Erfassung biometrischer Daten im Vorfeld der Sicherheitskonferenz 2004 (siehe: http://de.indymedia.org//2004/01/73139.shtml) konnte auch diese Aktion sich großer Medienberichterstattung erfreuen. Der Abendzeitung (AZ) war dies sogar eine Meldung auf ihrer Titelseite wert (siehe Fotos). Aktionen, die zum richtigen Zeitpunkt (europaweite Proteste gegen Sozialabbau, Fahrpreiserhöhung) durchgeführt werden erwirken damit eine maximale Wirkung. Aktionen messen sich zwar nicht immer an der Präsens in bürgerlichen Medien, dennoch spielen diese eine wichtige Rolle, solange unsere Berichterstattung auf Zeitungen mit geringen Auflagen und Seiten, wie indymedia angewiesen sind. In die gleiche Richtung geht demnach auch eine Kritik an jene, die im Vorfeld der SiKo 2004 Brandsätze bei Mercedes Benz legten. Durch die zeitlich verzögerte Erklärung in der Interim 589 wurde somit der Raum für Spekulationen geöffnet, dass diese Aktion u.U. eine Bullenaktion gewesen sein könnte (siehe z.B.: http://de.indymedia.org//2004/02/73680.shtml). Andere bekamen bis heute nicht mit, dass es sich hierbei um eine Aktion von SiKo-GegnerInnen handelte ...

In diesem Sinne: Für gezielte Aktionen und ihre Vermittlung - Gegen Krieg uns Sozialabbau, für eine starke radikale Linke !
----------------------------------------------------------
Magdeburg:

Am 21.5.04 haben wir in Magdeburg ein Umsonstkino aufgezogen. Die Idee war es eine Alternative zur gängigen Kommerzialisierung von Kultur und Unterhaltung zu bieten und diese Räume mit Inhalten fern kapitalistischer Verwertungslogik zu füllen. Dazu wurde umsonst ein Film gezeigt, es gab vegane VoKü und Infomaterial.

Nachdem der Tag ziemlich stressig begonnen hatte (es musste recht kurzfristig ein neuer Generator her etc.) und das Wetter den ganzen Tag über nicht gerade einladend war (Nieselregen) hat am Ende doch alles gut geklappt. Der Himmel klart gegen Abend auf und auch die Anlage machte keine Probleme. Es hatten sich dann auch schön viel Leute eingefunden und die Stimmung war ziemlich gut. Es blieben auch immer mal wieder Passanten stehen um eine Weile dem Film zuzusehen und es gab eine Menge positive Resonanz.

in diesem Sinne
"Alles für Alle!"
die konterbande
-----------------------------------------------------------
Eine erste Zusammenfassung der bisherigen Berichterstattung zum Aktionstag der Umsonst-Kampagnen in Kassel am 22.05.2004.

...Zum Auftakt beklebten AktivistInnen eine Strassenbahn der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft mit Plakaten, auf denen der Anspruch auf ein schönes Leben für Alle formuliert wurde.

Mit der Straßenbahn fuhren die AktivistInnen anschließend zu einem Promotionsstand in der Fußgängerzone, an dem die Pinke Punkt Aktion vorgestellt wurde. AktivistInnen mit pinken Stulpen und auf den Rücken geschnallten Pinken Punkten verteilten Faltblätter und pinke Buttons. Damit wurde unter anderem die Einführung des Nulltarifs in öffentlichen Verkehrsmitteln gefordert.
Mit der Pinke Punkt Aktion soll Mobilität für alle möglich werden. Den zahlreichen Einschränkungen der Mobilität durch zu hohe Fahrpreise, rassistische Kontrollen und Platzverweise stehen ebensoviele Möglichkeiten sich das Recht auf Mobilität zu nehmen entgegen. Schwarzfahren ist nur eine davon.

Anschließend wurde vor dem Bekleidungsgeschäft Sinn Leffers gemeinsam mit der spanischen Initiative "Yomango" die neue Kollektion "Prêt à revolter" vorgeführt, in denen Kleidungsstücke, die sich als besonders vorteilhaft zur Aneignung von Waren erwiesen haben präsentiert.
Im Anschluss wurde umsonst in das bekannte Museum "Fridericianum" gegangen. Angespornt vom erfolgreichen Verlauf der Aktion haben danach Aktivisten spontan große Mengen Kleidungsstücke aus der H&M Filiale in der Fußgängerzone der Kasseler Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Die Passanten nahmen das Sonderangebot gerne an.

Mit dem Aktionsspaziergang ist die Umsonstkampagne jetzt auch in Kassel angekommen.

-----------------------------------------------------------

Teure Buspreise? LÜBECK UMSONST!
von Basta! - 30.06.2004 17:39

Am Donnerstag, den 24. Juni 2004, gab es in Lübeck einen kleinen Aktionstag gegen unverschämte Buspreise. Unmittelbarer Anlass war die Ankündigung der Stadtwerke, dass ab dem 27.6. alle Kunden im Bus vorne einsteigen und ihren Fahrschein vorzeigen müssen.



wer schwarzfährt...



...spart geld!


Einher ging diese Ankündigung mit einer Presseerklärung, in der alle Schuld an teuren Buspreisen den Schwarzfahrern in die Schuhe geschoben wurde. Von den Lübecker Nachrichten (LN) wurde das begeistert aufgegriffen und in Kommentaren gehetzt. Das Lübecker Busunternehmen ist mit seiner Maßnahme Vorreiter in Schleswig-Holstein. So schreiben die LN, Schwarzfahrer bescheren „den Busbetrieben jährliche Einnahmeverluste von 250 000 Euro“ (LN, 26.6.). Dass Menschen mit der Maßnahme nicht einverstanden sein könnten, wird schlichtweg geleugnet. So wird der Geschäftsführer der Stadtwerke mit den Worten zitiert: „Wir haben ausschließlich Zustimmung geerntet“.

Um dieser unsozialen Scheißpolitik etwas entgegenzusetzen, initiierte die Gruppe „BASTA! Linke Jugend“ einen Aktionstag, an dem 1000 Flyer vor Schulen und am zentralen Busbahnhof verteilt wurden.

Zudem wurden Stadtwerke-Busse mit „Viel zu teuer“ und „Fahrt schwarz!“- Plakaten beklebt, die anschließend u.a. durch die ganze Innenstadt fuhren.

Fast 100 Protestbriefe wurden in den Briefkasten der Stadtwerke geworfen. In den Briefen wurde sich über die unverschämten Preise und die Hetzkampagne gegen Schwarzfahrer beschwert sowie Busfahren zum Nulltarif gefordert.

In der Nacht zum 25.6. wurden in Lübeck Plakate geklebt, die im kopierten Stil der Anti-Schwarzfahr-Aufkleber einen „Schwarzen Tag für Kontrolleure“ ankündigten und darauf hinwiesen: „Wer schwarzfährt, spart Geld“.

Das war erst ein kleiner Anfang. Wir werden das nicht hinnehmen, nur für teuer Kohle Bus fahren zu dürfen. Und damit die Kosten für billigere Preise nicht auf andere abgewälzt werden: Mehr Kohle für BusfahrerInnen!

Im folgenden eine Dokumentation des verteilten Flyers. Teile des Textes sind von BerlinUmsonst! geklaut (www.berlin-umsonst.tk) . Vielen Dank!

„BUSFAHREN? DAS WIRD TEUER....
In Lübeck auf den Bus angewiesen zu sein, wird seit Jahren ein immer teureres Vergnügen. Inzwischen kostet eine Hin- und Rückfahrt fast schon 4 Euro! Ein weiterer Anstieg der Buspreise ist nur noch eine Frage der Zeit.
Überteuerte Buspreise gehen vor allem zu Lasten von Arbeitslosen, Rentnern, Jugendlichen, also Menschen, die eh nicht so viel Kohle haben – ganz im Gegensatz zu denjenigen, die diese Preise festsetzen, selber aber nicht auf den Bus angewiesen sind.
Und damit ja auch niemand auf die Idee kommt, sich zu beschweren, wird die Schuld für die teuren Preise einfach auf die geschoben, die sich weigern, sie zu bezahlen: Schwarzfahrer. So haben die Stadtwerke und Lübecker Nachrichten einen Sündenbock gefunden, der zudem keine Lobby hat, sich öffentlich wahrnehmbar zu äußern. Dagegen halten wir daran fest: Schuld an den Buspreisen sind die, die sie festsetzen. Schwarz zu fahren ist ein legitimes Mittel, sich diesem Preiswucher zu entziehen.
POLITIK UND MEDIEN SPIELEN SEIT JAHREN DIESELBE LEIER: „WIR MÜSSEN SPAREN, SPAREN, SPAREN! SCHLUSS MIT DIESEM, SCHLUSS MIT JENEM!“ WIR SAGEN: SCHLUSS MIT SCHLUSS! LÜBECK UMSONST!!!
Anstatt zu bitten und zu hoffen, dass bei den anderen und nicht bei uns gespart werden möge, sagen wir: Es ist nicht unsere Schuld! Wir haben den Schuldenberg der Hansestadt nicht angehäuft. Es ist nicht unsere Schuld, dass wir jetzt hier leben und nicht in 30 Jahren. Oder vor 30 Jahren. Wenn trotz steigender Profite in der Wirtschaft immer nur gespart werden soll, kann etwas nicht stimmen.
Und wenn die wichtigen Entscheidungen sowieso immer ohne uns getroffen werden, na dann treffen wir jetzt auch mal eine Entscheidung: Busfahren umsonst! Her mit dem schönen Leben!
BUSFAHREN ZUM NULLTARIF! LÜBECK UMSONST!
Basta! Linke Jugend“


Anschrift:: Basta! c/o alternative, Willy-Brandt-Allee 9, 23554 Lübeck ¦
-----------------------------------------------------------

Düsseldorf fährt schwarz!
Mehr als 30 Menschen trafen sich am frühen Samstag auf dem Oberbilker Markt in Düsseldorf. Eingeladen hatte die Initiative "Tasche leer - Schnauze voll!", um die erste Düsseldorfer Schwarzfahraktion zu starten.

Die mit "Tasche leer, Schauze voll" bedruckten T-Shirts ausgestatteten SchwarzfahrerInnen fuhren mit verschiedenen Bahnen durch das Düsseldorfer Stadtgebiet. In jeder Bahn wurde den Mitreisenden erklärt, warum es diese Aktion gibt. Plakate wurden in den Bahnen aufgehängt, Flugblätter und Schwarzfahrkarten mit Tipps und Tricks verteilt. Gleichzeitig sorgten Unbekannte dafür, daß die Ticketautomaten mit "Außer Betrieb"-Aufklebern versehen wurden.

Es kam zu zahlreichen Diskussionen mit anderen Mitreisenden. Überwiegend war dabei die Ablehnung der ständig steigenden Fahrpreise und die Zustimmung zur Aktion. Besonders die Schwarzfahrkarten sorgten für Schmunzeln und ebenso wie die "Außer Betrieb"-Aufkleber für Nachfrage. Menschen in Straßenbahnen scheinen genügend Zeit zu haben - jedenfalls lasen viele Leute auch die verteilten Flugblätter.

Bei einer Diskussion mit einer Gruppe von Rheinbahn-Fahrern zeigte sich, daß die Meinungen der Beschäftigten geteilt waren: Der deutlich kleinere Teil lehnte die Aktion ab, da ihre Jobs nur mit Fahrpreiserhöhungen zu sichern seien, während der größere Teil Verständnis für die Aktion hatte ("Von mir aus kann es auch den Nulltarif geben"), aber auch Solidarität im Kampf gegen drohende Privatisierung, die Stellenabbau, Fahrpreissteigerung und Verkehrsunsicherheit mit sich bringt, einforderte.

Alles zusammen ein schöner Auftakt, weitere Aktionen werden folgen. Anzumerken ist noch, daß sich die gesamte Zeit über keine Kontrolleure blicken ließen, obwohl die Aktion lange vorher breit angekündigt wurde.

-----------------------------------------------------------

Berlin, 28.7.04 - Badeschiff umsonst!


Berlin-Kreuzberg/Treptow, 28.7.04 - Ein Dutzend Leute stuermen mit Hilfe von Schlauchbooten das privat betriebene Badeschiff in der Spree. Eigentlich kostet der Eintritt 3 Euro. Ermaessigungen gibt es nur fuer Kinder. "Wir wollen nicht reformieren und betteln ... sondern wir wollen einfach sagen: So nicht!. Wir nehmen uns jetzt das was wir haben wollen: Spass, Kultur, Leben.".
Die AktivistInnen stellen ihre Aktion in den Rahmen der Kampagne Berlin umsonst!.

------------------------------------------------------------

Umsonst-Aktion: Wohnungsbesetzung im Ikea


Circa dreißig Menschen haben am 31.7. unter dem Motto "Shoppst du noch -oder lebst du schon? " eine Schauwohnung in der Mannheimer Ikea-Filiale besetzt.

------------------------------------------------------------

"Leipzig: umsonst!" fährt UMSONST
von Leipzig Umsonst! - 02.08.2004 18:35

Umsonst-Kampagne in Leipzig startet durch!!!

Nach längerer Theorie- und Vorbereitungsphase gab die Kampagne "Leipzig: umsonst!" mit einer Freifahraktion in den Straßenbahnen der LVB (Leipziger Verkehrbetriebe) ihren Auftakt.




Leipzig: umsonst! startet durch ...



.



.



.



.


Zum Anlass nahmen wir die Tariferhöhung der LVB zum 1. August.
Mit dieser Aktion wollte "Leipzig: umsonst!" aber nicht nur gegen die Tariferhöhung, oder das Bezahlen in öffentlichen Verkehrsmitteln protestieren, sondern wir wollen durch derartige symbolische Aktionen auf den Schwachsinn der kapitalistischen Verhältnisse aufmerksam machen (Selbstverständnis s. unten).

Mit Schildern, Flyern und Musik sind wir in die Straßenbahnen gegangen, haben mit den Leuten diskutiert und sind häufiger als erwartet auf positive Reaktionen gestoßen.

So war unsere erste Aktion ein Erfolg, hat Spaß gemacht und wird so bald wie möglich wiederholt werden.

Wer Lust hat mitzumachen: meldet euch per e-mail >> leipzig-umsonst@gmx.net


------------------------
Unser Selbstverständnis:


Ein Gespenst geht um in Leipzig ...

Der Umsonst-Kampagne geht es um kostenlose Aneignungen. Wir wollen die kapitalistische Produktionsweise hinterfragen, kritisieren und helfen zu ihrer Überwindung beizutragen.

Kapitalismus ist nicht an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, auch wenn uns die Werbewelt das immer wieder vermitteln will. Kapitalismus folgt der Logik von Warenproduktion und –tausch mit dem Ziel der immer größeren Anhäufung von Geld um des Geldes Willen.

Die Produktion orientiert sich nicht daran, was die Menschen brauchen, sondern am Marktgeschehen. Das heißt, es wird hergestellt, wofür sich Käufer/-innen finden, womit möglichst viel Profit erwirtschaftet werden kann. Doch kaufen kann nur wer Geld hat. Alle andern haben Pech.

Eine von Menschen geschaffene und getragene Produktionsweise, die die Menschen nur als Produktionsfaktoren, Konsumenten oder störende Randerscheinung betrachtet, ist zutiefst irrational und menschenverachtend. Wer im System nicht mehr funktioniert, wird einfach kaltgestellt oder darf jämmerlich zu Grunde gehen.

Hier erscheint dieser, dem Kapitalismus eigene Effekt momentan als Abbau des staatlichen Sozialsystems. Arbeitslosen wird die Unterstützung gestrichen, medizinische Versorgung kostet noch mehr Geld und Ausgaben für öffentliche Bildung gehen zurück.

Mit dem Wegbruch der sozialstaatlichen Standards "dürfen" nun auch wir Sozialstaatsgewöhnte Kapitalismus in seiner ganzen Härte am eignen Leib erfahren. Es lässt sich immer weniger verleugnen, dass nicht der Abbau des Sozialstaats, sondern seine Existenz die Ausnahme von der kapitalistischen Regel darstellt.
Wie diese aussieht, zeigt ein Blick in die ärmeren Regionen dieser Welt. Dort verhungern tagtäglich Menschen scheinbar aufgrund der Ausbeutung durch die westlichen Industrienationen, tatsächlich aber durch die auf Verwertung ausgerichtete Produktionsweise.
Die vergleichsweise hohen sozialen Standards in Deutschland verschleierten die Unmenschlichkeit des kapitalistischen Systems nur teil- und zeitweise. Zwar verbesserten sie die Lebensbedingen der Arbeiter/-innen, ließen aber das Prinzip des Privateigentums an Produktionsmitteln und der Arbeit unangetastet.
Die sozialen Widersprüche waren befriedet, nicht beseitigt. Aber die Zeit in der sich aufgrund des "Wirtschaftswunders BRD" damit zumindest materiell ganz gut über die Runden kommen ließ, ist schon lange vorbei. Die standortpolitischen "Sachzwänge" greifen die Lebensgrundlagen der Menschen, zum Beispiel in Form von Gesundheitsreform und Hartz-Gesetzen, immer stärker an.
Ihnen steht eine schwache soziale Bewegung und allgemeine Ratlosigkeit gegenüber.

Dabei wird verkannt, dass auch die klassischen Kampfmittel von Arbeiter/-innen und Gewerkschaften, deren sich zumindest dem Namen nach noch bedient wird, heute nicht mehr greifen. Da das Kapital auf immer weniger Arbeitskraft angewiesen ist, ist deren Versagung in Form eines Streiks, beispielsweise, weniger wirksam.
Doch auch die Lohnabhängigen selbst sehen nicht mehr die Notwendigkeit, ihre materiellen Interessen gegen Kürzungen und Einsparungen durchzusetzen. Oder sie wagen es nicht, aus Angst vor Entlassungen, denn Lohnarbeit gilt ihnen schon als Privileg. Heute redet von Glück, wer noch Arbeit hat.
Zunehmende Rationalisierung macht immer mehr menschliche Arbeitskraft überflüssig. Die Folge freilich sind Entlassungen, damit verbundene strukturelle Arbeitslosigkeit und dadurch die Überbelastung des sozialen Systems. Es kommt zu Kürzungen, und es entsteht ein Kreislauf, der immer mehr Menschen ihrer Existenzgrundlage beraubt. Sei es, dass sie keine Arbeit mehr finden, nicht mehr in der Lage sind zu arbeiten oder sich dem Ausbeutungssystem entziehen wollen.
Dabei ist diese Rationalisierung eigentlich wünschenswert, da sie ermöglicht, dass die Arbeitszeit reduziert werden kann und genug für alle produziert wird. Trotzdem scheint sie im Kapitalismus als Problem: Denn essen darf nur, wer arbeitet.
Diese Entwicklung ist die logische Folge des Kapitalismus. Immer wieder hören wir, wir müssten den Gürtel enger schnallen, mehr Opfer bringen, es gäbe keine Alternative...
Aber das ist falsch. Es gibt eine Alternative. Doch diese liegt jenseits der kapitalistischen Verhältnisse.
Deshalb will die Umsonst-Kampagne das kapitalistische Verwertungssystem selbst und nicht allein dessen Auswirkungen kritisieren und angreifen.
Wir sind der Meinung der Zugang zu Gütern (welcher Art auch immer), Orten und Ressourcen muss für alle Menschen unabhängig von Geld möglich sein. Dies soll zunächst durch symbolische Aneignungen in die Tat umgesetzt werden. Dieser bewusste Verstoß gegen das Diktat des Eigentums propagiert eine Gesellschaftsform nach humanen Prinzipen.

Der Prozess der Aneignung kann keineswegs nur die lebensnotwendigsten Dinge umfassen, sondern soll sich auf die Teilhabe am gesamten gesellschaftlichen Reichtum beziehen.
Denn aus dem gleichen Grund, aus dem Sie sich keine Yacht leisten können, aus dem das Arbeitslosengeld gestrichen wird, sterben Menschen an Hunger, werden Kriege geführt und die Umwelt zerstört.
Aber der Angriff aufs Eigentum endet nicht beim Konsum. Zu einer humanen Gesellschaft gehören ebenso die selbst bestimmte Produktion, der bewusste Umgang mit der Natur und eine solidarische Form des Zusammenlebens.

Deshalb: Alles für Alle! Und zwar umsonst!


LEIPZIG:UMSONST!









 
zurück